Sonntag, November 30th, 2008 | Author: Jürgen R. Weber

Zwerge, Mutanten und Kämpfe

Radio überträgt heute aus der Chemnitzer Oper die Premiere der “Rose vom Liebesgarten” von Hans Pfitzner

Chemnitz. Der Begriff “Kult” fällt in der Musik oft dann, wenn wenige, aber wichtige Menschen ein Werk richtig super finden, der übergroße Rest damit allerdings wenig anfangen kann. Aus dieser Sicht kann man die romantische Oper “Die Rose vom Liebesgarten” durchaus als solchen bezeichnen - neben dem Komponisten Hans Pfitzner (1869 bis 1949) selbst sind zumindest von zwei gewichtigen wie prominenten Zeitgenossen euphorische Reaktionen überliefert. Max Reger soll das spätromantische Stück ein “großartiges, herrliches Werk” genannt haben, und Gustav Mahler stellte es in eine Reihe mit Wagners “Walküre”.

Darüber hinaus kam das Stück seit seiner Entstehung weder bei Kritikern noch beim Publikum besonders gut an - das eigenwillige Libretto des Engländers James Grun stand der schönen Musik im Weg. An dieser “Bruchstelle” will Regisseur Jürgen R. Weber die Oper aufnehmen und von Chemnitz aus zu einem deutschlandweit beachteten Erfolg machen. “Mich haben vor allem die trashigen Elemente gereizt. Es gibt Zwerge, Mutanten und viele Kampfszenen, die man einfach nur aufnehmen muss. Ich nehme den Stoff ernst, setze ihn aber mit viel Spaß um.” Einige der störenden unlogischen Sprünge des Original-Märchens reichert man dabei mit etwas mehr Hintersinn an. Die Hauptfigur Siegnot, ein eigentlich etwas plumper Wagner-Epigon, wird von Weber in eine Anti-Helden-Rolle à la Bilbo Beutlin gesteckt. “Für mich hat das Stück viel angelsächsische Dramatik im Sinne von Shakespeare oder Tarantino. Da gibt es auch meist zwei ganz verschiedene Ebenen, die nur auf den ersten Blick unvereinbar scheinen.”

Wenn Weber das Stück zu einem Fantasy-Spektakel umarbeitet, dann nicht, weil er Pfitzners fragwürdiges Weltbild ignoriert. “Diese Oper eignet sich einfach nicht zur ideologischen Auseinandersetzung.” Der Theater-Regisseur, der sich auch hinter der Kamera der Fernsehserie “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” einen Namen gemacht hat, will mit der “Rose” eine ganz eigene Welt mit eigenen Logos schaffen. Nicht als Persiflage, aber mit einem Augenzwinkern, wie er sagt. Dass das funktionieren wird, traut er dem Chemnitzer Publikum zu. Nicht zuletzt, weil er die spätromantische Musik Pfitzners auch als Blaupause für Filmkomponisten wie Jerry Goldsmith sieht. “Meine 80-jährige Mutter kommt zur Premiere ebenso wie meine Kinder, die Teenager sind. Ich will einfach ein Stück für alle auf die Bühne bringen.” Wenn das klappt, sollte Chemnitz in aller Munde sein.

Die Oper im Radio

MDR Figaro überträgt die Premiere der “Rose vom Liebesgarten” heute ab 19.30 Uhr live aus dem Chemnitzer Opernhaus. Der Deutschlandfunk zeichnet den Abend auf und strahlt die Aufführung am 13. Dezember um 19.05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur aus.

Von Tim Hofmann

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Category: Presse
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