‚Die Rose vom Liebesgarten’ als Märchen für Erwachsene in der Chemnitzer Oper
Tod eines Hausmeisters
CHEMNITZ – Siegnot wienert noch fix das WC, bevor er der Elfe Minneleide an die Wäsche geht, zwei „Zwölfen“ sitzen daumenlutschend nahebei, das halb zerzauste Moormännlein schaut zu und popelt beschwingt.
Ja, lustig ist das Leben zwischen Unterwelt und Paradies, meint Jürgen R. Weber (Regie, Bühne) und hat aus Hans Pfitzners (1869-1949) Oper „Die Rose vom Liebesgarten“ für Chemnitz ein irres, verspieltes, ironisches, oft witziges und auch sehr langes Fantastical gebastelt.
Die Bewohner des Liebesgartens – ein „Hochsicherheitsparadies“ mit Stahltüren und rabiaten Wächtern – können nach Ablauf der Haltbarkeitsdauer mit viel Dampf und so was wie einem Akku-Ladegerät ihr Leben verlängern, Fremde dürfen nicht rein, regelmäßig wird geputzt. „Schön ist das Leben, es ist so wohlig eingerichtet“, trällert der ordnungsliebende Hausmeister, als er seinen Schrubber abgibt, Krone, Schwert, Ballermann übernimmt und zum Einlasstorwächter Siegnot ernannt wird. Spätestens hier merkt man, dass die Inszenierung Oper, Film, TV, Fantasykrempel und wohl auch Publikum heftig auf die (Garten-)Schippe nimmt. Siegnot ist ein gülden-bewamster Schwarzenegger-Verschnitt von Conan und Terminator mit naiver Schwänzchenmalerei auf den Epauletten.
Humorbereitschaft ist unbedingt erforderlich. Weber lässt die Liebesgärtner durch ein übergroßes WC schlüpfen, mit Gliedmaßen herumschlenkern, um ein naturgetreues Marx-Monument schleichen und von einem Monster mit Scherenhänden drangsalieren. Rechts und links der Bühne sind zum skurrilen Geschehen die bitterbös-drolligen Kommentare des Nachtwunderers zu lesen – zum geplanten Einmarsch in den Liebesgarten: „Wenn nicht, auch egal. Hauptsache Spaß.“ Es gibt mystisch-schöne Tanzszenen mit Grauweltlern in feinem Anzug, aber mit sehr begrenztem Bewegungsradius, Zwittergöttin, Schatten und Schättin.
Originelles Trillern würzt die schwermütige, stellenweise dramatische Musik Pfitzners, die von der Robert-Schumann-Philharmonie aus der Unterwelt nach oben dringt, dazu ein Großaufgebot aus Chor, Kinderchor, Ballett und Komparserie.
Wie im Leben: Wohlgeformte unbedeckte Frauenbeine lassen Siegnot seine Pflicht vergessen. Es kommt also erst Sex, dann Liebe ins Spiel – und plötzlich ist der geile eitle Hausmeister tot. Einzelne im Publikum warteten zur Premiere am Sonnabend nicht so lange und flüchteten in der Pause, dann aber verhalten-langer Beifall, paar verschämte Protestrufe, Bravos vor allem für Astrid Weber (großartige Minneleide), Erin Caves (ein Siegnot mit Augenzwinkern), Kouta Räsänen (dämonisch-putziger Nachtwunderer) und Dirigent Domonkos Héja. In weiteren Rollen gut drauf in diesem Opern-Comic Tiina Penttinen, Jana Büchner, Andreas Kindschuh, André Riemer. „Alte Rätsel sind gelöst, neue Rätsel tun sich auf“, liest man am Schluss und geht rätselnd, aber feixend davon.
Ch. Hamann-Pönisch







