Chorprobe mit Erin. Wir wiederholen das Vorspiel. Erin als putzender Peter Sellars-Typ. Wir nutzen zwei Möglichkeiten um ihn vor seiner Verwandlung zu zeigen. Ich habe das Gefühl, dass wir einen großen Schritt weiter gekommen sind. Die Dinge, die wir über Siegnot herausgefunden haben, werden weit in den ersten und zweiten Akt strahlen.
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Puppenprobe mit Kouta Räsänen und seiner Puppe. Es ist schon eigenartig. Ich nehme die Puppe immer mehr als eigenständigen Charakter wahr.
Abends erste szenische Chorprobe. Die stilisierten Gesten funktionieren gut. Aber es wird immer klarer, dass wir mit Erin noch etwas für Siegnot machen müssen, damit der Zuschauer früher mit der Hauptgeschichte konfrontiert wird.
2. Akt mit fast allen. Nur unsere Rotelse, Tiina ist leider krank. Der 2. Akt ist sowohl musikalisch als auch dramatisch schwer zu knacken. Die Konflikte und “Spielregeln” sind unklar. Auch wir springen stilistisch um diesem merkwürdigen Konglomerat beizukommen.
Mittags Requisitenbesprechung.
Abends Probe 2. Akt mit den 7 Todsünden. Der Komparsen”chor” bekommt immer mehr kommentierende Funktion. Abgesehen davon wird viel gelacht, was immer gut ist. Ich habe das Gefühl, dass ich Siegnots Bogen noch nicht vollständig gefunden habe. Der Kreis schließt sich noch nicht. Aber zum Glück haben wir noch etwas Zeit.
Wir haben das fehlende Stück aus dem Vorspiel mit Sanges/Waffenmeister und Siegnot geprobt. Der bei Pfitzner fehlende dramatische Boden ist jetzt da. Die offene Frage, das Rätsel in Form von Siegnots Metamorphose.
Abends: 2. Hälfte des 2. Aktes. Blut und Gewalt. Aber durch die Puppenexistenz des Nachtwunderers in ein spielerisches Licht gestellt.
Heute morgen haben wir die wilde “Hasch mich”- Ballettszene mit unserm famosen Herrn See und der tastenflinken Frau Lang akustisch aufgezeichnet. Die Szene wird der Bonbon für unseren Choreographen Lode Devos und das Ballett Chemnitz. Ein schnelles, atemloses Stück, das wahrscheinlich schon seit über 80 Jahren nicht mehr aufgeführt wurde, da es schon bei frühen Aufführungen gestrichen wurde. Danach haben wir Erins Auftrittsszene geprobt. Das Zusammenspiel zwischen Tänzern und Sängern wird in bestimmten Augenblicken über die Qualität der Inszenierung entscheiden. Noch haben wir keine Tänzer, da in einer Woche die “Schwanensee” Premiere ist und alle Tänzer dort eingebunden sind. Danach wird sich zeigen ob mein Konzept bei der Rose aufgeht.
Wahrscheinlich ist so ein Probentagebuch für Außenstehende tödlich langweilig. Die Zeit ist zu knapp um wirklich ins Detail zu gehen. Viele Informationen erschließen sich erst, wenn man das Stück etwas kennt und die wirklich geheimen Gedanken stellt man besser nicht ins Netz. Aber egal- Ich werde wacker weiter machen. (Ich sitze übrigens gerade in der Opernkantine und habe ein Cordon bleu zu mir genommen, falls das jemanden interessiert). Heute Morgen haben wir das von mir etwas modifizierte Nachspiel mit Astrid (Minneleide) und Christian (Winterwächter) geprobt. Ich selbst habe mit unserer Souffleuse Sylvia die Positionen der Ballettsolisten markiert. Dann haben wir das ganze wieder auf Video aufgenommen. Erhellend war diesmal für mich, dass bestimmte, schon geprobte Situationen und Bilder automatisch wieder auftauchen. Es ist so als ob Spielregeln, die ich für das Stück kreiert habe, ohne mein Zutun Lösungen für dramaturgisch schwierige Situationen anbieten. Manchmal fühle ich mich wie ein Zuschauer, der selbst erst hinter den Sinn des Ganzen kommen muss, der aber fühlt, dass da irgendwo ein Sinn, ein geheimnisvoller Zusammenhang ist. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.
Heute Mittag mit großer Freude Siegnots heilige Kanone und sein Schwert in Augenschein genommen. Beides sind hoch sensible Theaterwaffen, die speziell für die Inszenierung gefertigt wurden.
Dann haben wir um 18 Uhr den ersten Akt mit Astrid und Erin durchgespielt und aufgezeichnet.
Heute morgen die erste Probe mit Schwarzhilde und Rotelse, Minneleides beiden Elfen - Assistentinnen. In der Mittagspause begutachten wir die Puppe, die der Puppenbauer für den Nachtwunderer gebaut hat. Sie scheint gut zu funktionieren. Bei der Gelegenheit gab es noch eine Intensive Besprechung diverser Kostüm- und Masken Problematiken. Dann habe ich mir den Entwurf für das Plakat angesehen. Es ist eines von den 70 Fotos geworden, die ich in Babelsberg mit der Hilfe von Sven Klaus und Christiane Rüdebusch gemacht habe. Abends dann noch mal die Elfen. Es fügt sich alles recht gut zusammen und wir nehmen die Szenen auf Video auf. Auch die beiden Minneleide Monologe. Zum Abschluss des Abends war ich mit Sven Bindseil, dem Kostümbildner der Rose, in “Hellboy”. Auch da gibt es Elfen und finstere Kreaturen. Aber unsere Musik ist besser.
Morgens vor der Probe
Nachtrag zur gestrigen Probe: Das Nachspiel wird in seinem Konglomerat aus Stilisierung und Realismus sehr … interessant. Noch sind längst nicht alle konzeptuellen Fragen gelöst. Immer wieder taucht die Frage auf wie genau man sich an den gesungenen text halten muss oder nicht. Die Zeiten, wo das Regietheater das gesungene Wort ignorieren konnte, sind dank Übertitelung vorbei. Wir haben auch zum ersten Mal mit dem Winterwächter geprobt. Eine stumme Rolle, die bei uns von einem jungen Offense Tackler der hiesigen American Football - Mannschaft, den Crusaders, gespielt wird. Als letztes stand gestern Abend Kampftraining mit Lars und Astrid an. Es ist schon toll, wenn man eine jugendlich dramatische Sopranistin im Team hat, die nicht nur tolle hohe Töne, sondern auch noch hohe Tritte austeilen kann…
22. Mittwoch
Die Vormittagsprobe: Ca. 30 Musiklehrer aus Chemnitz und Umland wohnten heute der Probe bei. Wir zeigten einen quasi Durchlauf des fast kompletten 1. Aktes. Es ist schwer einzuschätzen, was die Lehrer wirklich davon hielten. Allerdings bin ich mir sicher, dass einige Blut geleckt haben und auch die Inszenierung sehen wollen. Wir haben dann noch etwas am Ende des 1. Aktes gefeilt. Eine Explosion der Gewalt und danach die gespannte Stille zwischen Moormann und Siegnot. Dessen Entschluss der Rose und Minneleide in die Unterwelt zu folgen.
Abends: 2. Akt mit Komparsen
Wir tasten uns weiter durch den 2. Akt. Die Todsünden und der Nachtwunderer werden immer exakter und greifbarer. Die Originalpuppe gibt es doch erst morgen. Erin war beim koordinieren und strukturieren einer Kampfszene eine große Hilfe. Die Dynamik dieser Szenen geht mit Pfitzners Musik sehr gut zusammen. Morgen werden wir einige Szenen auf Video aufzeichnen um sie am Wochenende Lode Devos, unserem Choreographen zu zeigen, damit er sich auf die Ballettszenen vorbereiten kann.
Heute haben wir zum ersten mal Minneleides Auftritt geprobt und den Operettensound dieses Stückes bewusst wahrgenommen. Vor allem die offenen Kostümwechsel sind nicht einfach. Heute Abend werden wir uns zum erstenmal an das Nachspiel machen. Dann haben fast alle Solistenszenen einmal durch. Das gibt eine gute Übersicht über das Stück und den Rhythmus der Inszenierung. Morgen kommt die Puppe, die der Nachtwunderer bedienen wird. Das wird spannend.
Heute Vormittag haben Siegnots großen Monolog aus dem 2. Akt geprobt. Ich war mit Gefühl hingegangen, dass man bei der musikalisch und textlich extrem schwierigen Stelle szenisch sowieso nicht viel machen kann. Dann hat sich aber gezeigt, dass die zusammen mit Erin entwickelten Aktionen eigentlich eher hilfreich sind die amorphe Szene zu bewältigen. Erin Caves ist als Siegnot für nicht nur perfekt, weil er die musikalische und dramatische Intelligenz besitzt um die Partie zu formen, sondern auch weil wir ein gemeinsames Repertoire von Prägungen durch die sogenannte “Populärkultur” erfahren haben. Er kann MArvel von DC unterscheiden, kennt Iron MAn, Silversurfer und Stan “the man” Lee und ist auch im Actionfilmbereich bewandert was die Kommunikation enorm erleichtert. Und so paddelten wir diese Probe in dem durchaus interessanten gewässer, das zwischen Pulpcomics und D’annunzio liegt. Zwischen den Fantastic Four und La fiamma von Respighi… In diesem Sinne schließe ich jetzt mit dem allbekannten Schlachtruf von Ben “The Thing” Grimm: ” It’s clobberin time!!!!”
Derselbe TAg Abends
Wir haben mal wieder fast den ganzen ersten Akt geprobt. Es scheint zu funktionieren. Ich merke, dass bestimmte Requisiten ihre Bedeutung verändern und ihre eigene Dynamik entwickeln. Der Rhythmus der Stilebenen umspielt die Stilebenen die Pfitzner benutzt. Zusammen wird das hoffentlich etwas Neues und Aufregendes ergeben. Wir werden sehen.
Morgen früh geht’s wieder nach Chemnitz. Wir werden drei Tage wegen der “Pinocchio-Proben” in den Chorsaal ziehen. Ich habe mich am Wochenende noch einmal intensiv mit dem Nachspiel mit Minneleides Tod und “Wiederauferstehung” beschäftigt. Es ist auf jeden Fall ein schwieriges Ende, wenn man es dramatisch und nicht nur psychologisch/Symbolisch erzählen will. Es gibt auch wieder zwei Kommentare, was mir zeigt, dass einige auf die Seite gehen. Leider kommen wir mit dem Design nicht weiter. Ich wollte schon Bilder hoch laden und das Ganze mehr im Stil der “Rose ” gestalten, aber dafür bin ich wohl zu blöd. P.S. ich habe gerade den Kommentar von “NAchwuchs” gelesen. Eine Art überspitzt/ironischer Text gegen eine bestimmte Art von Regietheater. Mich würde noch das Stück interessieren. eigentlich passt der Regieansatz sowohl auf “Die Lustige Witwe” als auch auf “Messeschlager Giesela”. Vielleicht kann uns der Autor das ja noch irgendwann verraten. Im Übrigen möchte ich die nächsten Wochen auch einige Diskussionen mit Interessierten führen. Es ist noch nicht ganz klar wo das stattfinden wird, es wird aber hier bekannt geben werden.
Gestern bin nach einer Probe, bei der wir das musikalisch, (chromatische Hysterie), und szenisch (Pyrotechnik, Schießerei, Karate, Blut etc.), schwierige Finale des ersten Aktes übten, im so genannten “Weltecho” eher zufällig in einen Poetryslam geraten. Als “Hutfee” kam ich auf die Bühne und machte natürlich vor dem vollbesetzten Club (?), Werbung für die Rose. Danach wurde ich von einigen interessierten jüngeren Chemnitzern auf das Projekt angesprochen. Das lässt mich hoffen, dass wir mit der “Rose…” auch ein frisches, jüngeres Publikum in die Oper ziehen (ohne das klassische Abopublikum zu verprellen). Gleich ist wieder Probe… 1. Akt. Ich freu mich schon…
18. Oktober Abends
Bin wieder in Berlin. Die Vormittagsprobe in Chemnitz war sehr gut. Wir haben fast den ganzen 1. Akt mit Siegnot, Minneleide und Moormann durchgeprobt. es war recht erhellend. Mir sind einige Sachen bezüglich unseres Helden aufgefallen. Über all den vielen kleinen Details dürfen wir den großen Bogen des Charakters nicht verlieren.
Wir haben beschlossen nächste Woche eine “Sturmprobe” zu machen um die Bewegung gegen den Wind, (siehe natürlich auch Felsensteins Othello), überzeugend hinzukriegen.
Dann habe ich natürlich auch den neuen Kommentar von “Chorknabe” gelesen. Ich habe diese Seite eingerichtet um den Probenprozess für Aussenstehende und Mitwirkende transparenter zu machen. Ich fände es gut, wenn hier keine Privatkonflikte oder Ähnliches ausgetragen werden. Ich denke mir die Kommentare eher als Möglichkeit Anregungen zu formulieren oder auch Fragen zu stellen. Wie dem auch sei… Montag wird wieder geprobt. Und dann werde ich auch das Tagebuch weiter führen. Gerade habe ich noch die aufmunternden Worte von Herrn Gruner gelesen. Also: ich mache das hier zum ersten mal. Weder habe ich eine persönliche Website noch einen Blog. Ich hoffe, dass mir das Schreiben hier nicht Zeit und Energie abzieht, sondern im Gegenteil zuführt. Deshalb wäre es natürlich auch toll wenn Anregungen und Fragen kommen auf die ich dann gezielt reagieren kann.
Es ist einiges passiert: Wir haben intensiv die Minneleide/Siegnotszenen geprobt. Es bekommt Struktur und ich merke, dass es nicht nur Spaß macht mit den Sängern zu Arbeiten, sondern auch bei den Szenen zuzuschauen. Die Szenen bieten einem erstaunliche Möglichkeiten sämtliche Facetten einer Intensivromanze, (Begegnung, langsames vortasten, Ekstase, Streit und Trennung), zu zeigen. Gestern haben wir auch die ersten Kampfszenen geprobt. Auch das ging erstaunlich gut. Außerdem war gestern der erste Kommentar auf dieser Seite. Ich hatte schon gedacht, dass sich niemand dafür interessiert. Hoffentlich werden es noch Kommentare. Ich werde am Wochenende eine Art Antwort auf den Kommentar hierher stellen.
Nach den ersten zwei Probentagen stellt sich ein Gefühl der gespannten Erwartung ein. Wir merken, dass wir szenisch einiges leisten müssen um die Rose für alle spannend zu erzählen. Das Gute ist: Die stilisierten Gesten scheinen zu funktionieren. Das erste Bild des Vorspiels hatte auch ohne Kinderchor und Chor eine gewisse Kraft. Die zusammengewachsene Einheit “Waffenmeister/Sangesmeister” singt nicht nur hervorragend, sondern spielt auch mit Spaß an der Freud mit. Alles in allem: Bisher entspannte Proben. Gestern zum ersten mal mit den 7 Todsünden geprobt. Das eigentlich Interessante bei Proben ist für mich nicht ob meine Vorstellungen erfüllt werden, sondern ob ich auch durch die Arbeit inspiriert werde. Und das ist definitiv der Fall.
